Guerilla Marketing

Online, Mobile & Crossmedia

6. Die eigene Community – Besucher in Autoren verwandeln

Posted by Felix on Mai 11th, 2006

facebook buch - marketing unter freunden: dialog statt plumper werbung

Sicherlich gibt es auch in Ihrer Branche eine Vielzahl von Plätzen, wo sich Experten oder Kunden über Produkte und Ihr Wissen rund um spezielle Themen austauschen. Man kann im Internet beobachten, dass viele Nutzer verstärkt das Bedürfnis hegen sich miteinander zu unterhalten, Frust von der Seele zu schreiben, über positive Erfahrungen zu berichten, et cetera. Scherzhaft könnte man sagen, dass hierbei des Öfteren nahezu eine Art „Seelen-Exhibitionismus“ betrieben wird.

Ein sehr gelungenes Beispiel finden Sie bei dem Internetbuchhändler amazon.com – auch wenn dies keiner klassischen Community entspricht. Besucher haben dort die Möglichkeit eine Rezension zu den Büchern zu verfassen und diese zu bewerten. Diese helfen den anderen Nutzern bei der Auswahl entsprechender Lektüre. Ein hilfreiches Werkzeug. Außerdem clever, da hier wertvolle Informationen erstellt werden, ohne dass Amazon dabei einen all zu großen Aufwand hat.

Wobei der Unterschied zu einer klassischen Community bei dem Beispiel Amazon eigentlich marginal ist. Denn auch hier erstellen unterschiedliche Nutzer Inhalte zu einem gemeinsamen Thema – einem Buch. Die Abweichung besteht lediglich darin, dass bei Amazon keine aktive Diskussion zwischen den Mitgliedern der Community stattfindet, sondern jede Person unabhängig von den Beiträgen der anderen seine eigene Meinung schildert.

Warum schauen Sie bei so etwas nur zu, anstatt selber in das Geschehen einzugreifen?

Der Aufbau einer solchen Community ist sicherlich mit einiger Arbeit verbunden und braucht seine Zeit. Die technische Infrastruktur ist hierbei weniger das Problem, als viel mehr die kontinuierliche Pflege und Bekanntmachung.

Außerdem gilt es möglichst viele „hochwertige Mitglieder“ für Ihre Community zu gewinnen. Diese zeichnen sich beispielsweise dadurch aus, dass sie auch für andere Nutzer lesenswerte Inhalte produzieren, bereit sind ihr Wissen zu teilen oder auf andere Meinungen eingehen können. Sprich die Summe der einzelnen Beiträge sollte einen Multiplikator entfachen. Ähnlich dem Phänomen, das James Surowiecki in seinem Buch „Die Weisheit der Vielen“ beschreibt, wird das Wissen der Gruppe damit größer als das des „intelligentesten“ Mitglieds. Dabei handelt es sich bei diesen „hochwertigen Mitgliedern“ heute keineswegs mehr nur um Menschen, die Gesprächspartner im Internet suchen, weil Sie sich in der „realen Welt“ nicht zurecht finden. Ganz im Gegenteil! Oftmals sind sie sozial gut vernetzt – sowohl online als auch offline. Dies führt zu einem weiteren Effekt: Diskussionen, die in der Community angestoßen werden, verbreiten sich weit darüber hinaus.

Selbstverständlich fällt eine vergleichbare Community niemandem in den Schoß, sondern ist mit entsprechender Arbeit verbunden. Langfristig zahlt sich dieses Engagement jedoch aus und könnte eine schlagkräftige Waffe in Ihrem Guerilla Marketing Mix werden. Wobei ein großer Vorteil vergleichbarer Communities darin besteht, dass der Aufbau nicht zwingend mit hohen Kosten verbunden ist, sondern „lediglich“ viel Zeit und gute Ideen erfordert.

Beispielsweise könnten Sie ein Forum einrichten, indem sich Nutzer über die relevanten Themen ihres Produktes oder Unternehmens austauschen können.

Dies bietet unterschiedliche Vorteile:

  • Über nahezu jedes Produkt wird irgendwo im Internet gesprochen bzw. diskutiert. Gewöhnlich findet dies auf Plattformen statt, die in keiner Verbindung mit dem Anbieter stehen. Einerseits ist somit eine gewisse Unabhängigkeit gewahrt. Andererseits würden Verbraucher oftmals gerne enger mit Unternehmen kommunizieren, doch zumindest bisher scheuen viele Anbieter vergleichbare Unterhaltungen. Warum eigentlich? Den Kopf in den Sand stecken ist wohl kaum eine Lösung. Vielmehr könnte durch eine aktive Diskussion mit den Kunden ein erheblicher Imagegewinn erzielt werden. Sie zeigen, dass Sie nicht zu den 99% der Unternehmen gehören, die sich einen „…“ um ihre Kunden scheren, sondern einer der wenigen Anbieter sind, der aktiv den Dialog mit seinen Kunden bzw. Interessenten sucht. Wobei Sie als Betreiber bzw. Administrator des Forums wesentlich bessere Möglichkeiten haben die Beiträge zu steuern. Bei der Beteiligung an Diskussionen auf externen Portalen bleibt Ihnen diese Möglichkeit gewöhnlich verwehrt. Damit meinen wir nicht etwa unangenehme Beiträge zu löschen, sondern eher stets über sämtliche Informationen zu verfügen.
  • Sie bekommen wertvolle Anregungen, wie Ihre Produkte von „Außenstehenden“ wahrgenommen werden. Im Idealfall erhalten Sie hier viel Lob, das auch von den anderen Besuchern Ihrer Website eingesehen werden kann. Wobei Sie aber auch Kritik bis hin zu „Schimpfereien“ nicht scheuen sollten. Ganz im Gegenteil, Sie sollten dies positiv betrachten! Ihre Kunden machen sich Mühe, sprechen mit Ihnen und wünschen sich eine Lösung. Einige Experten vertreten gar die Theorie, dass es nichts Gefährlicheres gibt, als zufriedene stille Kunden. So weit würden wir nicht gehen. Dennoch sollten diese Stimmen gehört werden und als Ansporn für Verbesserungen dienen. Diese können ebenfalls in Ihrem Forum kommuniziert und diskutiert werden. Möglicherweise erhalten Sie dabei gar vollkommen neue und wertvolle Lösungsvorschläge von den Diskussionsteilnehmern.
  • Sie können Fragen im Rahmen einer Expertenrunde beantworten. Die Antworten erstellen Sie, wenn Sie Zeit haben. Wobei eine rasche Bearbeitung für die gewünschte Qualität Ihrer Community unabdingbar ist. Einmal erstellte Antworten helfen auch anderen Kunden weiter, so dass Sie nicht immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen, wie es oftmals bei Anfragen per E-Mail der Fall ist. Möglicherweise bieten Sie auf Ihrer Website FAQs und haben somit gar die Möglichkeit Ihre Community als eine Art Erweiterung zu nutzen.
  • Dabei werden Fragen zu Ihren Produkten teilweise nicht nur von Ihnen, sondern auch von Nutzern Ihrer Produkte beantwortet. Dies hat eine wesentlich höhere Glaubwürdigkeit und spart Ihnen darüber hinaus die Arbeit einer eigenen Antwort.
  • Sie erhalten zusätzliche Links zu und von Ihrer Website weg. Das wiederum verbessert Ihre Position in den Suchmaschinen (siehe auch Kapitel „Google & Co. – da werden Sie geholfen“). Außerdem bietet Ihnen die Community zusätzliche Eintragungsmöglichkeiten in Verzeichnisse und Linklisten, die unter Umständen kaum kommerzielle Seiten aufnehmen würden. Bei einer Community sieht dies meist anders aus – auch wenn sie von einem Unternehmen betrieben wird.
  • Im Rahmen der Registrierung für die Community hinterlassen die Nutzer Ihre E-Mail Adressen – zumindest wenn Sie das wünschen bzw. eine Registrierung erforderlich ist, um einen Beitrag zu verfassen. Diese Daten können Sie für weitere Aktionen nutzen, z.B. für den Versand eines Newsletters (siehe auch Kapitel „Newsletter-Versand – viele Fliegen mit einer Klappe“).

Mindmap: Inhalte des Kapitels auf einen Blick

Weiter mit dem Kapitel „7. Weblogs – aktive Diskussion leicht gemacht

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.