Guerilla Marketing

Online, Mobile & Crossmedia

'2. Trendscouting'

2. Trends, Wettbewerber und Zielgruppen – heute wissen, was morgen in ist

2. Trends, Wettbewerber und Zielgruppen – heute wissen, was morgen in ist

Posted by Felix on 11th Mai 2006

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Noch vor einigen Jahren belächelt, hat sich Trendscouting zu einem wichtigen Marketinginstrument entwickelt. An Hochschulen werden inzwischen spezialisierte Studiengänge im Bereich Trendforschung angeboten, z.B. in Pforzheim (Studiengang Betriebswirtschaftslehre / Markt- und Kommunikationsforschung). Das Ziel ist professionelle Verfahrensweisen zu erlernen, um zukünftige Entwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen.

Dabei behandelt Trendscouting unterschiedliche Fragen und Problemstellungen. Welche Technologien werden zukünftig an Bedeutung gewinnen? Was für Entwicklungen werden spezielle Branchen prägen? Welche Anforderungen werden spezielle Zielgruppen stellen? Welche Trends, z.B. im Bereich Lifestyle wie Mode, Musik oder Sport gewinnen an Bedeutung? Aber auch welche Dinge, die heute noch „in“ sind, sind morgen wahrscheinlich schon wieder „out“?

Trendscouting hilft, mehr Wissen zu erlangen als der Wettbewerb, um Produkte und Services als auch Werbebotschaften möglichst frühzeitig an zukünftige Gegebenheiten anzupassen. Im Arbeitsumfeld gilt: „Wissen ist Macht“. Dies nimmt sich ein erfolgreicher Guerilla besonders zu Herzen, denn er steht in der Pflicht, dem Wettbewerb stets den entscheidenden Schritt voraus zu sein.

Eine solche vorausschauende Arbeits- und Denkweise wird durch das Internet erheblich vereinfacht. Zu Recht gilt das World Wide Web inzwischen als das Informationsmedium Nummer 1. Nirgends ist es so einfach, schnell und vor allem breit gefächerte Kenntnisse zu erhalten – und das zu überschaubaren Kosten. Dank des Internets haben Sie die Möglichkeit frühzeitig Informationen zu neuen Technologien, Maschinen, Serviceangeboten, Lebensgewohnheiten, erfolgreichen Guerilla Marketing Aktionen, usw. zu erhalten – weltweit!

Die Kunst besteht nun darin, hochwertige Informationsquellen aufzutun, die wichtigen Informationen herauszufiltern und richtig zu bewerten. Auch ohne ein Studium der entsprechenden Verfahren kann man in diesem Bereich der Trendforschung bereits beeindruckende Ergebnisse erzielen.

Viele der folgenden Tipps mögen auf den ersten Blick relativ trivial erscheinen. Aber fragen Sie sich doch einmal, ob diese Verfahren, die sich als erfolgreiche Instrumente des Trendscouting erwiesen haben, auch ausreichend in Ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen:

a) Recherche in Foren und Weblogs
In Online Foren oder Weblogs (siehe auch Kapitel „Weblogs – aktive Diskussion leicht gemacht“) tauschen sich Nutzer über die unterschiedlichsten Dinge aus. Hier finden Sie nicht nur Informationen von Experten, Eindrücke Ihrer Zielgruppe, Meinungen zu Ihren und anderen Produkten, sondern oftmals auch wertvolle Linktipps auf neue oder gut versteckte Angebote im Internet.

Durch die RSS Technologie (siehe Glossar) können Sie beispielsweise Blog-Beiträge zu bestimmten für Sie relevanten Themengebieten abonnieren. Somit müssen Sie diese nicht mehr länger suchen, sondern bekommen sämtliche neuen Informationen automatisch.

b) Benchmarking mit anderen Branchen
Beschränken Sie sich nicht nur auf Informationsquellen aus Ihrer eigenen Branche. Wertvolle Informationen findet man oft dort, wo sie kaum jemand erwartet. Beispielsweise stehen einige Branchen, wie Banken oder Versicherungen, in der Pflicht ein hohes Level an Kundenservice anzubieten. Speziell in den USA stellen die Kunden in diesem Bereich hohe Anforderungen an den Internetauftritt eines Unternehmens. Möglicherweise finden Sie dort Denkansätze, die sich auch auf Ihre Branche bzw. Ihr Unternehmen übertragen lassen.

c) Lesen der Online Ausgabe internationaler und lokaler Fachzeitschriften
Heutzutage bietet nahezu jede Fachzeitschrift neben der Print auch eine Online-Ausgabe. Entweder sind die Informationen kostenlos oder können auf Basis eines Abonnements eingesehen werden. Somit wird der Zugang zu tagesaktuellen Informationen der nationalen und internationalen Fachwelt wesentlich erleichtert.

d) Newsletter
Bestellen Sie die Newsletter der führenden Informationsportale, Online Ausgaben von Branchenzeitschriften, Technikportale, usw. – sprich sämtliche für Sie relevante Informationsquellen. Wobei es bei der Auswahl und Lektüre der Newsletter zu beachten gilt, dass zu viele Newsletter genauso „schädlich“ sind wie zu wenige. Filtern Sie die interessanten Informationen heraus und überspringen Sie den Rest. Lesenswert sind oftmals auch Veröffentlichungen, die sich auf das Thema Trendscouting konzentrieren. Bei dem Anbieter trendguide.com erhalten Sie zusätzlich die Möglichkeit eigene Trends und Produktideen zu veröffentlichen und von einem fachkundigen Publikum weltweiter Trendsetter beurteilen zu lassen.

e) Einsatz Ihrer Mitarbeiter
Die meisten Unternehmen haben begriffen, dass Ihr größtes Kapital in den Mitarbeitern steckt. Trotzdem wird diese Weisheit oftmals kaum berücksichtigt. Animieren Sie Ihre Mitarbeiter sich ebenfalls über aktuelle Trends zu informieren und diese an die entsprechenden Kollegen weiterzuleiten. Arbeitskreise interessierter Mitarbeiter erleichtern hierbei den Austausch von unterschiedlichstem Know-how. Teilweise schlummern gar wertvolle Ideen oder Beobachtungen in Mitarbeitern, von denen dies kaum erwartet wird. Selbst sehr erfolgreiche Manager haben erkannt, dass oftmals zum Beispiel ein Auszubildender großartige Ideen liefert, während die Marketingexperten in einer Sackgasse stecken. Als Guerilla sollten Sie dafür sorgen, dass auch solche Mitarbeiter gehört und ernst genommen werden. Wie bei so vielen Dingen gilt jedoch auch hier, dass die richtige Balance gewahrt werden muss. Schließlich darf die Produktivität Ihres Unternehmens nicht unter diesem Prozess leiden.

Auch beim Trendscouting heißt es, ohne Fleiß kein Preis. Den erforderlichen und entscheidenden Wissensvorsprung aufzubauen und anschließend zu verteidigen ist selbstverständlich mit viel Arbeit verbunden. Sobald Sie sich jedoch als Trendsetter in Ihrer Branche etabliert haben, wird sich diese Investition um ein Vielfaches auszahlen.

Ihre Kunden, Partner, Investoren und andere relevante Zielgruppen werden es zu schätzen wissen, wenn Sie das Gefühl haben mit Ihren Produkten hautnah am Zahn der Zeit zu sein bzw. in die Zukunft zu investieren. Als First Mover Ihrer Branchen erlangen Sie oftmals wertvolle Marktanteile, die Ihre Konkurrenten nur schwer zurückgewinnen.

Die vorgestellten Techniken eignen sich nicht nur für den Bereich der Trendforschung, sondern können ebenfalls für die Analyse Ihrer Wettbewerber und Zielgruppen eingesetzt werden. Oftmals gehen die beiden Themen dabei Hand in Hand.

Schließlich dient auch die kontinuierliche Analyse von Wettbewerbern und Zielgruppen als Grundlage für erfolgreiches Guerilla Marketing.

Dem Guerilla stehen gewöhnlich nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Daher ist es wichtig, die Wünsche der Zielgruppen zu kennen, um diese entsprechend bedienen zu können. Auch dies mag äußerst trivial klingen. Nichts desto trotz scheitern viele Produkte und Unternehmen daran, dass sie an Ihren Kunden vorbeireden oder produzieren.

Das gleiche gilt für den Wettbewerb. Selbstverständlich kennt man die Unternehmen mit denen man im Wettbewerb steht. Aber sind Sie wirklich ständig über die neuesten Entwicklungen bei Ihrer Konkurrenz informiert? Wenn ja, gut, Sie sind auf dem richtigen Weg zum Guerilla. Denn dieser kennt jede Bewegung seiner „Gegner“. Wenn nein, sollten Sie dies schnellst möglich ändern. Machen Sie sich unsere gläserne Informationsgesellschaft zu nutze! Messeberichte, Prospekte, Newsletter und Websites Ihrer Mitbewerber sowie Einträge in Blogs und Foren zu deren Produkten oder Werbeaktionen sind gute Gelegenheiten mehr Informationen zu erhalten als Ihren Konkurrenten lieb ist.

Diese Kenntnisse helfen Ihnen nicht nur mit Ihren Produkten die entscheidende Nasenlänge voraus zu sein, sondern bieten oftmals auch gute Ansatzpunkte für „freche“ Guerilla Aktionen. Spätestens seitdem auch in Deutschland vergleichende Werbung zulässig ist bieten sich diesbezüglich weit reichende Möglichkeiten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der TV-Werbespot von Burger King, der im Sommer 2002 ausgestrahlt wurde. In diesem Spot geht Ronald McDonald, der sich mit Mantel und Hut zu tarnen versucht, bei der Konkurrenz essen.

Der Werbespot wurde zwar innerhalb kürzester Zeit von Mc Donalds unterbunden. Doch bis dahin hatte er längst die gewünschte Aufmerksamkeit erzielt. Und selbst heute kursiert er noch im Internet.

Ein weiteres aktuelles Beispiel bieten die Autovermieter Sixt bzw. Starcar. Zuerst wurde mit Hilfe einer Anzeige in unterschiedlichen Zeitschriften für einen Anbieter Namens gibsnisch.de geworben. Die Aussage: Bessere Mietwagen, kleinere Mietpreise. Noch besserer Service als bei Sixt. Mehr Infos unter gibsnisch.de.

Bei einem Besuch der Website gibsnisch.de zerfiel das Angebot und es erschien eine Ansicht mit dem Text „Einen besseren Autovermieter als SIXT? Gibs nisch! Mieten Sie gleich unter www.sixt.de.

So weit der erste Teil der Geschichte. Innerhalb weniger Tage kursierte nun ein weiteres Angebot im Internet, das den Verweis auf die Internetadresse gibsdoch.de enthielt.
Nach dem ersten Klick auf der Website gelangte der Nutzer auf das Angebot einer der Konkurrenten von Sixt – einem kleineren, weniger bekannten Autovermieter Namens Starcar.de. Dieser hatte sich den Hype um die Aktion gibsnisch.de geschickt zu Nutze gemacht und mit seinem Konter gibsdoch.de für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt. Laut der Financial Times Deutschland, welche über die Aktion berichtet, hat diese gerade einmal ca. 18.000,- Euro gekostet. Ein kleiner Preis für eine große Wirkung.

Aus dieser Aktion kann man folgende Schlüsse ziehen:

1) Die Beobachtung des Wettbewerbs in Kombination mit vergleichender Werbung ermöglicht mit geringem Einsatz und einer guten Idee große Aufmerksamkeit zu erzielen. Wobei hierbei zeitnahes Handeln gefragt ist.

2) Sixt hatte seine Aktion bereits darauf ausgelegt mit Hilfe von Mund-zu-Mund Propaganda möglichst breit gefächerte Aufmerksamkeit zu erzielen. Nicht umsonst wurde auf der Website gibsnisch.de ein Button mit der Aufschrift „weitersagen“ eingebunden. Doch in der Planung wurde ein entscheidender Fehler gemacht: Ein erfahrener Guerilla hätte gewusst, dass diese Aktion geradezu zu einer Retourkutsche einlädt. Um diese zu vermeiden hätte er die Domain gibsdoch.de und ähnlich lautende Adressen ebenfalls registriert und für eine eigene Folgeaktion genutzt.

Sie sehen, ein wahrer Guerilla Marketer kann es sich weder leisten seine Zielgruppe noch seine Wettbewerber aus den Augen zu verlieren. Oftmals liegt hier einer der Schlüssel zum Erfolg der Möglichkeiten, die wir Ihnen in den folgenden Kapiteln vorstellen.

Mindmap: Inhalt des Kapitels auf einen Blick

Weiter mit dem Kapitel „3. First things First – Optimierung Ihrer Website

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