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'7. Weblogs'

7. Weblogs – aktive Diskussion leicht gemacht

7. Weblogs – aktive Diskussion leicht gemacht

Posted by Felix on 11th Mai 2006

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Weblogs erfreuen sich zunehmend steigender Beliebtheit. Sie haben sich längst von einer globalen Modeerscheinung in regionale Trends verwandelt und stehen kurz davor sich als Massenmedium zu etablieren. Nicht umsonst betreiben inzwischen führende deutsche Verlage, wie z.B. die Süddeutsche Zeitung (http://blog.sueddeutsche.de), das Handelsblatt (http://blog.handelsblatt.de) oder der Stern (http://www.stern.de/blog/), eigene Weblogs in denen die Redakteure unterschiedlichste Informationen bereitstellen.

Für alle die sich nun fragen: Was genau ist denn ein Weblog und warum sind diese so beliebt? Hier eine kurze Erklärung:

Vom Grundgedanken her entsprechen Weblogs ansatzweise der Idee eines Forums und werden oft als eine Art Online Tagebuch beschrieben. Wobei der Aufbau und die Informations- bzw. Navigationsstruktur von dem eines klassischen Forums abweicht.

Die Hauptbeiträge im Weblog werden stets von dem Betreiber bzw. einem Autorenteam verfasst. Bei der Veröffentlichung können diese unterschiedlichen Themengebieten zugeordnet werden. Das erleichtert die Navigation für die Besucher, die sich möglicherweise nur für spezielle Inhalte, nicht aber für den gesamten Weblog interessieren. Wobei die neuesten Beiträge gewöhnlich in chronologischer Reihenfolge auf der Startseite aufgeführt werden.

Besucher eines Weblogs können keine eigenen Themen verfassen, sondern sich lediglich zu den vorgegebenen Beiträgen äußern. Das hat Vor- und Nachteile. Einer der Hauptvorteile besteht sicherlich darin, dass Sie als Betreiber die Themen klar vorgeben und somit eine einheitliche Struktur sicherstellen. Dies wiederum kann, abhängig von Ihren Zielen, zu einem der Hauptnachteile werden. Beispielsweise ist es im Bereich Support durchaus hilfreich, den Nutzern weit reichende Möglichkeiten zu geben. Denn diese sprechen teilweise Punkte an, die Ihnen so bisher nicht bewusst waren.

Nichts desto trotz versprühen Weblogs einen besonderen Charme und verbreiten daher eine spezielle Anziehungskraft. Dies beruht hauptsächlich auf den folgenden Faktoren:

Ein großer Vorteil von Weblogs besteht in der extrem guten Verlinkung. Beiträge in unterschiedlichen Blogs zu ein und dem selbem Thema werden mit Hilfe entsprechender Technologien oftmals automatisch miteinander verknüpft. Zusätzlich ermöglichen so genannte RSS Feeds Informationen zu bestimmten Themen zu abonnieren. Erscheint in einem Blog ein Beitrag zu einem Thema, das den Nutzer interessiert, wird er automatisch benachrichtigt. All dies führt dazu, dass sich Informationen über Weblogs in Windeseile verbreiten.

Außerdem müssen Sie nicht im Geringsten mit der Erstellung von Websites oder HTML vertraut sein, um einen eigenen Weblog zu betreiben. Selbst Laien können innerhalb kürzester Zeit einen eigenen Weblog einrichten. Neue Inhalte können unkompliziert erstellt und mit wenigen Klicks veröffentlicht werden.

All diese Möglichkeiten machen sich Unternehmen bisher jedoch kaum zu nutze. Einerseits haben sie zwar erkannt, welche Dynamik Botschaften in Weblogs entwickeln können. Oftmals jedoch beschränkt sich diese Erkenntnis lediglich auf den Bereich Krisenmanagement. Sprich Unternehmen werden von negativen Äußerungen zu ihren Produkten, Werbekampagnen, etc. regelrecht überrollt und versuchen entsprechend gegenzusteuern.

Wobei diese Versuche in den meisten Fällen eher hilflos erscheinen. All zu oft richten sie eher Schaden an und verfehlen ihr Ziel. Beispielsweise tarnen Unternehmen ihre Mitarbeiter als unabhängige Verbraucher, die versuchen entsprechende Behauptungen mit Gegendarstellungen als Kommentar zu den Beiträgen zu widerlegen oder zumindest zu entkräften. Häufig werden diese Kommentatoren dann als Mitarbeiter enttarnt, so dass der Stein erst richtig ins Rollen kommt und die Thematik weiter an Brisanz gewinnt. Selbst der „gewöhnliche Internetnutzer“ lässt sich schon nicht gerne für dumm verkaufen, doch Betreiber von Weblogs fühlen sich durch vergleichbare Aktionen teilweise regelrecht persönlich beleidigt und handeln dementsprechend – und das zu Recht! So wird aus einer Fliege schnell ein Elefant.

Beispiel gefällig? Der wohl erste und bisher medienwirksamste Blog-Gau in Deutschland ereilte Jamba!, den führenden Anbieter von Klingeltönen, Logos, Spielen und sonstigen „Mehrwerten“ für Mobiltelefone. Auf dem Weblog „Spreeblick.de“ wurde ein Artikel verfasst, der die Geschäftspraktiken des Unternehmens kritisch beleuchtete. Innerhalb kürzester Zeit verteilte sich diese Geschichte im Internet. Weiterhin brisant, Jamba!-Mitarbeiter wurden dabei enttarnt, wie sie als vermeidliche Verbraucher Kommentare zu dem Artikel verfassten, mit denen sie die Geschichte abschwächen wollten. Die Internetgemeinde war empört, was sich wiederum in zahlreichen Kommentaren auf Spreeblick.de und Beiträgen in anderen Weblogs äußerte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war nun auch das Interesse der Medien geweckt. So berichtete beispielsweise die führenden deutsche Nachrichten-Site Spiegel.de über diesen Vorfall und auch verschiedene TV Sendungen griffen das Thema dankbar auf.

Neuerdings gehen Unternehmen auch verstärkt dazu über, mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen gegen die Betreiber von Weblogs vorzugehen. Auch dieser Schuss geht gewöhnlich eher nach hinten los. Von Drohschreiben eines Anwalts lassen sich inzwischen nur noch die wenigsten Blogger abschrecken. Ganz im Gegenteil, sie fühlen sich eher bestärkt und es entsteht eine „Jetzt erst Recht“ Mentalität. Aufgrund der Solidarität und guten Vernetzung zwischen den Bertreibern unterschiedlicher Blogs „kämpfen“ Unternehmen schnell nicht mehr mit einer einzelnen Person, sondern dem halben World Wide Web.

Auch hierzu ein Beispiel: In dem Weblog Werbeblogger.de wurde ein Artikel über Heidi Klum und ihrer Zusammenarbeit mit McDonalds verfasst. Kurze Zeit darauf erhielt der Betreiber des Weblogs eine Nachricht, dass der Name Heidi Klum markenrechtlich geschützt sei und daher sofort aus der Website entfernt werden bzw. nicht zu Werbezwecken missbraucht werden soll. Nach intensivem Schriftverkehr schaukelte sich die Geschichte langsam aber sicher hoch. Auch hier entstanden nicht nur zahlreiche Kommentare und Beiträge in anderen Blogs, sondern auch Handelsblatt, Fernsehen und Radio berichteten darüber.

Selbstverständlich sollte man sich als Unternehmen auch nicht alles gefallen und sich wie das Lamm zur Schlachtbank führen lassen. Unwahre Behauptungen müssen im Keim erstickt und zu negativen Äußerungen Stellung bezogen werden. Doch hierbei ist eine offene Unternehmenskommunikation sowie entsprechendes Fingerspitzengefühl gefragt. Denn die Tage, in denen Unternehmen die Meinung der breiten Masse diktieren konnten, sind gezählt. All zu Viele machen die Rechnung hier immer noch ohne den Wirt bzw. die Verbraucher.

Bisher mag es so klingen, als ob Weblogs für Unternehmen lediglich negative Aspekte beinhalten. Doch dem ist bei Weitem nicht so. Geschickt genutzt können sich Weblogs als ein enorm wirkungsvolles Werkzeug für unterschiedlichste Anbieter erweisen. Beispielweise könnten Sie einen Weblog einrichten, in dem Sie Wissenswertes im Rahmen der Entwicklung eines neuen Produkts zur Verfügung stellen und über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Somit wecken Sie bereits vor der Veröffentlichung Interesse bei Ihrer Zielgruppe. Möglicherweise erhalten Sie gar wertvolles Feedback, dass noch in die Produktentwicklung einfließen kann.

Dieses Vorgehen bietet unter anderem den Vorteil, dass Sie zunächst erste Erfahrungen mit dem Thema Weblog und dem damit verbundenen Arbeitsaufwand und Nutzen sammeln können. Denn ein vergleichbarer Weblog könnte anfänglich temporär betrieben werden. Entsprechen die Ergebnisse nicht Ihren Vorstellungen kann der Weblog spätestens nach der Fertigstellung des Produkts wieder eingestellt werden – ohne die Gefahr eines Imageverlustes. Bei entsprechenden Erfolgen wird er weiter fortgeführt und Ihr Engagement im Bereich Corporate Weblog kann sukzessive weiter ausgebaut werden.

Alternativ könnten Sie auch einen Weblog betreiben, der sich mit neuesten Entwicklungen, Einsatzmöglichkeiten und Branchentrends rund um Ihr Angebot beschäftigt – inner- und außerhalb Ihres Unternehmens. Bei einer neutralen Berichterstattung, ohne die zwanghafte Nennung Ihrer Produkte und deren Vorteile, bietet Ihnen der Weblog dabei die Möglichkeit sich als „unabhängiger“ Spezialist zu etablieren. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter als Redakteure einsetzen, haben diese die Möglichkeit aktiv mit anderen Spezialisten oder potentiellen Kunden in Kontakt zu treten. Heute nutzen Diese möglicherweise noch ein anderes Produkt von einem Ihrer Wettbewerber, morgen eventuell auch, aber die Chance, dass sie übermorgen Ihr Angebot nutzen, wird somit bestenfalls erheblich gesteigert. Ganz abgesehen davon, dass gleichzeitig das Know-how Ihrer Mitarbeiter gesteigert wird und sie oftmals von Ideen profitieren, die von externen Quellen an sie herangetragen werden – Stichwort: Betriebsblindheit.

Unter dem Strich bietet Ihnen der Betrieb eines Weblogs ähnliche Vorteile, wie jene, die wir zum Ende des vorangegangenen Kapitels „Die eigene Community – Besucher in Autoren verwandeln“ geschildert haben. Wobei Weblogs ein innovativeres Image vermitteln als die bereits seit Jahren üblichen Foren. Darüberhinaus wird der Effekt einer zusätzlichen Verlinkung Ihres Internetangebots auf externen Websites aufgrund der Blog-Technologie exorbitant gesteigert. Somit schaffen Sie nicht nur neue Zugangsmöglichkeiten zu Ihrem Internetauftritt, sondern verbessern beispielsweise gleichzeitig auch Ihre Position in den führenden Suchmaschinen (siehe auch Kapitel: „Google – da werden Sie geholfen“ und „Online PR – Below The Line“).

Mindmap: Inhalt des Kapitels auf einen Blick

Weiter mit dem Kapitel „8. Formulare – einfacher Kontakt und sammeln wichtiger Daten

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